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Der Verleger Nikolaus Koch bestimmte maßgeblich die Richtung der Zeitung

"Ich trage mein Herz auf der Zunge"

Der Enthüller: Michael Fröhlingsdorf

Der Augenzeuge: Josef Tietzen

Die Preisträgerin: Daniela Steffgen

Der Dienstälteste: Friedrich Petuelli

Die Erste: Anneliese Woll

Der Patriarch: Nikolaus Koch

Die Karriere des 1908 in Trier geborenen Nikolaus Koch war schon bei seiner Geburt "vorgedruckt". Nach dem frühen Tod seines Vaters übernahm er 1935 als 27-Jähriger das Volksfreund-Unternehmen.

Ihm zur Seite stand sein Onkel Peter Koch, ein furchtloser Journalist, der sich nicht scheute, den Nazis Paroli zu bieten. Während ihrer Herrschaft erlebte der junge Nikolaus Koch hautnah die Willkür der braunen Machthaber. Zunächst versuchten sie noch, den jungen Verleger für ihre Zwecke zu gewinnen. Als er sich aber beharrlich weigerte, den Trierischen Volksfreund in den Dienst eines autoritären Regimes zu stellen, war er für die Nazis politisch nicht mehr tragbar. Er wurde aus der Reichspressekammer ausgeschlossen und musste die Zeitung schließlich 1938 einstellen. Durch die weitere Nutzung der Zeitungsdruckerei unter dem Namen "Volksfreund-Druckerei Nikolaus Koch" konnte er die Neueröffnung des TV nach dem Krieg auf ein stabiles wirtschaftliches Fundament stellen. Ab dem 10. April 1946 erschien die Zeitung, mit der Lizenz der Besatzungsmacht, unter dem Titel Trierische Volkszeitung. Innerhalb kürzester Zeit setzte dieses Unternehmen zu einem wirtschaftlichen Höhenflug an. Als sich Nikolaus Koch später aus dem Unternehmen zurückzog, verbrachte er seinen Lebensabend in Rothhaus (in der Nähe von Orenhofen). Im März 1982 starb er im Alter von 73 Jahren.

Der besonnene Choleriker

Die Meinungen über den Menschen Nikolaus Koch gehen weit auseinander: Unbeugsam, gradlinig, unbequem und dazu ein Mensch, der nur in seltenen Fällen die Mittel und Taktiken der Diplomatie einsetzte. Ein Mann, der in seinen Sturm- und Drangjahren oft sein cholerisches Temperament auslebte, sich über Kleinigkeiten aufregte, um dann aber nach einer Abkühlphase wieder ein besonnener Chef zu werden. "Morgen" hieß für ihn ab 12.30 Uhr. Die erste Redaktionskonferenz: Er wetterte über städteplanerische Fehlleistungen und ersetzte sie durch eigene Vorschläge, die in der Regel nie zu realisieren waren: seinen kühnen Plänen wären ganze Straßenzüge zum Opfer gefallen.

Pflichtbewußtsein als oberste Maxime

Weil er sich selbst nie schonte, sah er es deshalb auch als ein fast schon verbrieftes Recht an, von seinen Mitarbeitern "Tag und Nacht" ein totales Engagement zum Wohle des Trierischen Volksfreunds zu fordern. Überhaupt spielte der Pflichtbegriff in seinem Leben eine große, eine beherrschende Rolle. Mitarbeiter, die nicht bereit waren, das Kochsche Pflichtverständnis, also die ihm vom Großvater und Vater vermittelten Lebensleitlinien und Werte, zu akzeptieren, besaßen im Volksfreund-Unternehmen keine Perspektiven. Überhaupt verehrte er vor allem seinen preußisch erzogenen und nach den Gesetzen des Patriarchats lebenden Großvater, schwärmte stets von dessen unternehmerischem Weitblick und trierischem Humor. So zu sein und zu handeln wie der Gründer des Trierischen Volksfreund, war für Nikolaus Koch Lebensziel.

Die Hinterlassenschaft

Maßgeblich bestimmte der eigenwillige Verleger die Richtung der Zeitung, bisweilen auch nach Gutsherrenart. Nach seinem Tod leitete zunächst seine Frau Luise das Volksfreund-Unternehmen. 1993 machte die Unternehmensgruppe "Saarbrücker Zeitung", die mehrheitlich zur Holtzbrinck-Gruppe gehört, von ihrem Gesellschaftsrecht Gebrauch und übernahm den Trierischen Volksfreund. Der Name des letzten TV-Verlegers lebt vor allem fort in der nach ihm benannten Nikolaus Koch-Stiftung, in die das Vermögen der Trierer Verlegerfamilie eingebracht wurde. Diese Kontinuität kommt auch darin zum Ausdruck, dass der ehemalige Chefredakteur des TV, Norbert Kohler, seit 1996 Vorsitzender des Stiftungsvorstandes ist. Die Erträgnisse der Stiftung fließen ausschließlich sozialen und berufsbildenden Zwecken zu. Seit ihrer Gründung im Jahre 1993 hat die Stiftung, die einen Teil ihres Kapitals auch in Immobilien investiert, mit Millionenbeträgen satzungsgemäß unter anderem Bildungseinrichtungen wie Universität und Fachhochschule sowie karitative Institutionen unterstützt. Der TV-Verleger erhielt für seine Verdienste - auch in kultureller und karitativer Hinsicht - unter anderem das Große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Seine Vaterstadt verlieh ihm das goldene Ehrensiegel.

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